Dienstag, 23. Juni 2020

Valtra-"Lock"?

Ergänzt am 8. Juli 2020

Das Projekt VALTRALOC (eine Abkürzung für «Valorisation des traversées de localités», zu Deutsch «beruhigte Ortsdurchfahrten») hinterlässt nun schon seit Monaten seine Spuren im gesamten Dorf. Trauriger Höhepunkt war der Abriss des alten Waaghauses zugunsten einer "Begegnungszone". Aufgrund des riesigen Fussgängeraufkommens im Dorf sicher eine tolle Idee ...

Aber auch die Verschandelung der Ansicht des alten Dorfbrunnens ist Beleg für die verfehlte Planung des Projektes. Erst durch massiven Widerstand von Einwohnern und der Unterstützung durch das Kulturgüteramt musste der hässliche Asphalt-Absatz direkt vor dem Brunnen wieder abgerissen werden. Wer wohl die Kosten hierfür tragen wird?

Dass mit dem Projekt die Verkehrssicherheit erhöht werden soll, ist natürlich jederzeit begrüssenswert. An einigen Stellen ergibt sich allerdings die Frage, ob die Veränderungen tatsächlich durchdacht und einer erhöhten Sicherheit förderlich sind. So ist an der Kreuzung La Côte und Derrière la Tour der Kurvenradius nun so eng geworden, dass es fast unmöglich ist, in eine beliebige Richtung abzubiegen, ohne in den Gegenverkehr zu geraten. Aufgrund der Hanglage ist dazu noch die Sicht stark eingeschränkt, sodass man als Fahrzeuglenker kaum eine Chance hat, die Gefahren richtig abzuschätzen. Wenn es dann eng wird, weichen erschreckte Verkehrsteilnehmer schnell mal auf den Fussweg aus - ganz sicher keine Verbesserung der Sicherheit.

Ebenfalls ungeklärt ist die neue Verkehrsführung auf der Strasse Le Petit Contour. Wie man dort sehen kann, wurde mit dem Bau eines Trottoirs begonnen (wie viele Fussgänger verkehren hier eigentlich pro Tag?). Die Strasse ist nun so schmal, dass nur noch ein Fahrzeug darauf Platz hat. Waghalsige Rückfahrmanöver sind die Folge, ganz zu schweigen von Velofahrern, die nicht ausweichen können. Und der Bus muss entweder einen grossen Bogen auf der Kreuzung fahren oder gleich den Fussweg nehmen, um überhaupt abbiegen zu können.

Derzeit wird die Strasse schon aufgrund der Umleitung in beide Richtungen befahren, aber man sieht deutlich, dass dies unmmöglich würde, sobald der Neubau der Strasse inklusive Trottoir abgeschlossen sein wird. Daher haben wir bei der Gemeindeverwaltung bereits vor Wochen angefragt, wie denn die Verkehrsführung letztlich aussehen wird. Wie immer erhielten wir auch nach mehrmaliger Erinnerung keine Antwort. Das Schweigen hat offenbar Methode im Gemeinderat.

Erst eine Anfrage an den Ammann brachte zumindest etwas Neues: Man würde derzeit die Verkehrsführung für diese Strasse im Gemeinderat "diskutieren". Diskutieren? Jetzt? Jeder halbwegs ausgebildete Ingenieur plant zunächst sein Projekt, bevor er baut. Doch hier im Dorf ist es offenbar anders herum. Und was ist eigentlich mit den Anwohnern - werden die auch mal irgendwann über Änderungen informiert oder entscheidet man einfach am grünen Tisch? Willkommen in Courtepin ...




Nun teilt uns der Gemeinderat immerhin mit, dass man sich des Problems bewusst sei, aber zunächst "entsprechend der Baugenehmigung abgeschlossen" werden müsse. Damit bleibt die Frage offen: Wie konnte es überhaupt zu so einer Genehmigung kommen? Jeder halbwegs gut ausgebildete Ingenieur muss doch gesehen haben, dass die Strassenbreite nicht ausreicht, zumal die Höhe und Bauweise des Trottoirs ein Ausweichen bei Gegenverkehr fast unmöglich macht. Muss hier nun erneut nachträglich Geld investiert werden, um den Verkehrsfluss durch den Kanton anpassen zu lassen?

Sonntag, 21. Juni 2020

Abbruchgesuch für ein geschütztes Ofenhaus

In der Ausgabe Nr. 23 des Amtsblatts des Kantons Freiburg wird ein Gesuch um Abbruch einer «Remise» bzw. eines Unterstands veröffentlicht.

Beim Gesuch um "Démolition de la remise, bâtiment no 9c, RF 2143 Villarepos " vom 5. Juni 2020 handelt es sich aber nicht um eine alte Scheune oder einen alten Unterstand, sondern um ein Ofenhaus, das seit mindestens zwanzig Jahren im Verzeichnis der geschützten Kulturgüter von Villarepos verzeichnet ist. Es ist sowohl im alten Baureglement von Villarepos als auch im Anhang des neuen, revidierten Baureglements als geschütztes Gebäude aufgelistet.


Ein Blick in die Gesuchsunterlagen , die noch bis zum 22. Juni 2020 auf der Website der Gemeinde Courtepin konsultiert werden können, genügt um dies zu erkennen. Wieso ist das Baugesuch denn nicht entsprechend betitelt? Soll nur die Scheune rund um den Ofen, in dem früher das Brot gebacken wurde, abgerissen werden? Wohl kaum.

Eine Stellungnahme des Kulturgüterams sucht man in den 33 Seiten des Baugesuchs vergeblich. Ich gehe davon aus, dass diese noch eingeholt wird, bevor die Gemeinde das Baugesuch bewilligt. Der Eintümer möchte das Haus schnellstmöglich abreissen, da er befürchtet, es könnte anlässlich der Bauarbeiten auf der Strasse "le petit Contour" einstürzen und es könnte dabei jemand zu Schaden kommen. Die Arbeiten sind bereits in vollem Gange und es eilt.

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass der Eigentümer nicht gewillt und/oder finanziell nicht in der Lage ist, das alte Ofenhaus zu sanieren und vor dem endgültigen Einsturz zu bewahren. Ich beantrage deshalb, dass das geschützte Ofenhaus auf Kosten der Steuerzahler der Gemeinde Courtepin renoviert wird, und dass Vorkehrungen getroffen werden, das Häuschen vor dem Einsturz zu bewahren, bevor die Strassenarbeiten dort weitergeführt werden.

Es ist wahrscheinlich das letzte Ofenhaus in Villarepos, das noch existiert. Alle andern Ofenhäuser hat man in den letzten Jahrzehnten verfallen lassen und abgebrochen. Dieses Ofenhaus gehört zu dem wunderschönen alten Bauernhaus auf dem Grundstück RF 2143, das ebenfalls geschützt ist. Natürlich ist es renovationsbedürftig, aber die Verzierungen an der Aussenfassade sind alle noch erhalten. Dieses Ensemble ist in dieser Form im Dorfkern einzigartig und sogar die Einfriedungsmauer mit dem historischen schmiedeeisernen Zaun hat bis heute überlebt.

Im Rahmen von Valtraloc werden und wurden bereits Zehntausende bzw. wohl eher Hunderttausende von Franken an Steuergeldern «verpulvert» und das Ergebnis ist meiner Meinung nach eine Katastrophe. Es wird wohl dazu führen, dass das Dorfzentrum von Villarepos aus dem ISOS-Verzeichnis der geschützten Dorfbilder gestrichen wird. Nach der Realisierung von Valtraloc bleibt nämlich nicht mehr viel übrig, was noch schützens- und erhaltenswert wäre, wenn das so weitergeht. Das Dorfzentrum wird bald aussehen wie jedes andere Dorf, das in den letzten Jahren neue Strassen und Trottoirs erhalten hat, und die neue Strassenbeleuchtung mit den auf alt gemachten Laternen ist ein schwacher Trost.

Schon in der ersten Phase sind dem Projekt viele alte Vorgärten und Einfriedungen zum Opfer gefallen. Nun geht es im gleichen Stil weiter, obwohl die Arbeiten im besonders geschützten Dorfzentrum mit besonders strengen Vorschriften fortgesetzt werden. Wenn man bedenkt, was nur schon diese unsägliche «Insel» aus geschliffenem Granit vor dem alten Dorfbrunnen gekostet hat, die zum Glück schon wieder abgerissen werden musste, oder der Abbruch des historischen Waaghauses, das nach einer Stellungnahme der Valtraloc-Sachverständigen aus offenbar vorgeschobenen Sicherheitsgründen überhaupt nicht hätte zerstört werden müssen! Da kann man getrost 40'000 Franken für die Sanierung des Ofenhauses aufwenden. Das wäre meiner bescheidenen Meinung nach denn auch die einzig sinnvolle Investition im Rahmen von Valtraloc, auf jeden Fall viel sinnvoller, als das komplett überflüssige Troittoir, das entlang des kleinen Strässchens "Le petit Contour" gebaut worden ist. Zudem wurde ohne grosse Diskussion im letzten Herbst nochmals eine Viertelmillion Franken zusätzlich für die Strassenbauarbeiten und damit auch für Valtraloc bewilligt.

Der Kamin des Ofenhauses ist äusserlich noch in einem sehr guten Zustand. Es wäre heute wohl unbezahlbar, einen solchen Kamin neu zu bauen, wenn schon die Errichtung eines "Berner Huts" auf einem bestehenden Kamin mehrere Tausend Franken kostet.

Falls noch jemand der Ansicht ist, dass man dieses Stück Dorfgeschichte vor dem Abbruch retten muss, besteht noch bis zum 22. Juni 2020 die Gelegenheit, eine Einsprache auf dem Postweg oder zumindest per Email an den Gemeinderat zu richten.