Sonntag, 21. Juni 2020

Abbruchgesuch für ein geschütztes Ofenhaus

In der Ausgabe Nr. 23 des Amtsblatts des Kantons Freiburg wird ein Gesuch um Abbruch einer «Remise» bzw. eines Unterstands veröffentlicht.

Beim Gesuch um "Démolition de la remise, bâtiment no 9c, RF 2143 Villarepos " vom 5. Juni 2020 handelt es sich aber nicht um eine alte Scheune oder einen alten Unterstand, sondern um ein Ofenhaus, das seit mindestens zwanzig Jahren im Verzeichnis der geschützten Kulturgüter von Villarepos verzeichnet ist. Es ist sowohl im alten Baureglement von Villarepos als auch im Anhang des neuen, revidierten Baureglements als geschütztes Gebäude aufgelistet.


Ein Blick in die Gesuchsunterlagen , die noch bis zum 22. Juni 2020 auf der Website der Gemeinde Courtepin konsultiert werden können, genügt um dies zu erkennen. Wieso ist das Baugesuch denn nicht entsprechend betitelt? Soll nur die Scheune rund um den Ofen, in dem früher das Brot gebacken wurde, abgerissen werden? Wohl kaum.

Eine Stellungnahme des Kulturgüterams sucht man in den 33 Seiten des Baugesuchs vergeblich. Ich gehe davon aus, dass diese noch eingeholt wird, bevor die Gemeinde das Baugesuch bewilligt. Der Eintümer möchte das Haus schnellstmöglich abreissen, da er befürchtet, es könnte anlässlich der Bauarbeiten auf der Strasse "le petit Contour" einstürzen und es könnte dabei jemand zu Schaden kommen. Die Arbeiten sind bereits in vollem Gange und es eilt.

Es ist durchaus nachvollziehbar, dass der Eigentümer nicht gewillt und/oder finanziell nicht in der Lage ist, das alte Ofenhaus zu sanieren und vor dem endgültigen Einsturz zu bewahren. Ich beantrage deshalb, dass das geschützte Ofenhaus auf Kosten der Steuerzahler der Gemeinde Courtepin renoviert wird, und dass Vorkehrungen getroffen werden, das Häuschen vor dem Einsturz zu bewahren, bevor die Strassenarbeiten dort weitergeführt werden.

Es ist wahrscheinlich das letzte Ofenhaus in Villarepos, das noch existiert. Alle andern Ofenhäuser hat man in den letzten Jahrzehnten verfallen lassen und abgebrochen. Dieses Ofenhaus gehört zu dem wunderschönen alten Bauernhaus auf dem Grundstück RF 2143, das ebenfalls geschützt ist. Natürlich ist es renovationsbedürftig, aber die Verzierungen an der Aussenfassade sind alle noch erhalten. Dieses Ensemble ist in dieser Form im Dorfkern einzigartig und sogar die Einfriedungsmauer mit dem historischen schmiedeeisernen Zaun hat bis heute überlebt.

Im Rahmen von Valtraloc werden und wurden bereits Zehntausende bzw. wohl eher Hunderttausende von Franken an Steuergeldern «verpulvert» und das Ergebnis ist meiner Meinung nach eine Katastrophe. Es wird wohl dazu führen, dass das Dorfzentrum von Villarepos aus dem ISOS-Verzeichnis der geschützten Dorfbilder gestrichen wird. Nach der Realisierung von Valtraloc bleibt nämlich nicht mehr viel übrig, was noch schützens- und erhaltenswert wäre, wenn das so weitergeht. Das Dorfzentrum wird bald aussehen wie jedes andere Dorf, das in den letzten Jahren neue Strassen und Trottoirs erhalten hat, und die neue Strassenbeleuchtung mit den auf alt gemachten Laternen ist ein schwacher Trost.

Schon in der ersten Phase sind dem Projekt viele alte Vorgärten und Einfriedungen zum Opfer gefallen. Nun geht es im gleichen Stil weiter, obwohl die Arbeiten im besonders geschützten Dorfzentrum mit besonders strengen Vorschriften fortgesetzt werden. Wenn man bedenkt, was nur schon diese unsägliche «Insel» aus geschliffenem Granit vor dem alten Dorfbrunnen gekostet hat, die zum Glück schon wieder abgerissen werden musste, oder der Abbruch des historischen Waaghauses, das nach einer Stellungnahme der Valtraloc-Sachverständigen aus offenbar vorgeschobenen Sicherheitsgründen überhaupt nicht hätte zerstört werden müssen! Da kann man getrost 40'000 Franken für die Sanierung des Ofenhauses aufwenden. Das wäre meiner bescheidenen Meinung nach denn auch die einzig sinnvolle Investition im Rahmen von Valtraloc, auf jeden Fall viel sinnvoller, als das komplett überflüssige Troittoir, das entlang des kleinen Strässchens "Le petit Contour" gebaut worden ist. Zudem wurde ohne grosse Diskussion im letzten Herbst nochmals eine Viertelmillion Franken zusätzlich für die Strassenbauarbeiten und damit auch für Valtraloc bewilligt.

Der Kamin des Ofenhauses ist äusserlich noch in einem sehr guten Zustand. Es wäre heute wohl unbezahlbar, einen solchen Kamin neu zu bauen, wenn schon die Errichtung eines "Berner Huts" auf einem bestehenden Kamin mehrere Tausend Franken kostet.

Falls noch jemand der Ansicht ist, dass man dieses Stück Dorfgeschichte vor dem Abbruch retten muss, besteht noch bis zum 22. Juni 2020 die Gelegenheit, eine Einsprache auf dem Postweg oder zumindest per Email an den Gemeinderat zu richten.


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